
Neue Schwachlastzeiten im Sommer: 2026 ändert sich der beste Zeitpunkt für den Betrieb Ihrer Klimaanlage
Das Proclimo-Team
13 Juli 2026 - 05 Min. Lesezeit
Vierzig Jahre lang war die Regel einfach: Strom war nachts günstiger. Diese Regel ändert sich gerade. Seit dem 1. November 2025 führt der Netzbetreiber Enedis die größte Reform der Schwachlastzeiten (heures creuses) seit deren Einführung in den 1970er-Jahren durch – und die zweite Phase, die die Saisonalität einführt, startet im zweiten Halbjahr 2026. Konkret heißt das: Im Sommer wandern bis zu 3 Niedrigtarifstunden mitten in den Tag, zwischen 11 und 17 Uhr. Also genau in die Zeit, in der Ihre Klimaanlage läuft.
Für einen Haushalt mit reversibler Klimaanlage oder Wärmepumpe ist das keine Verwaltungsfußnote, sondern die Chance, die Sommerrechnung zu senken, ohne beim Komfort Abstriche zu machen. Man muss allerdings verstehen, was sich genau ändert.
Warum sich die Schwachlastzeiten verschieben
Schwachlastzeiten wurden nie für Ihren Komfort erfunden, sondern für den des Netzes: Es geht darum, Haushalte dazu zu bringen, dann zu verbrauchen, wenn reichlich Strom produziert wird, und zurückzufahren, wenn das System unter Druck steht. In den 1970er-Jahren lag dieser Überfluss nachts – die Kernkraftwerke liefen durchgehend.
Heute sieht es anders aus. Der starke Ausbau der Photovoltaik führt dazu, dass Frankreich im Sommer mittags reichlich und günstig Strom produziert. Die Lastspitzen haben sich dagegen in den frühen Morgen (7–11 Uhr) und in den Abend (17–23 Uhr) verlagert. Die französische Energieregulierungsbehörde (CRE) hat deshalb eine Neuordnung des Zeitplans verlangt, um die Schwachlastzeiten an die tatsächliche Produktion anzupassen.
Das Grundprinzip bleibt bestehen: Sie behalten 8 Schwachlaststunden pro Tag. Was sich ändert, ist deren Verteilung:
| Altes System | Neues System (Sommer) | |
|---|---|---|
| Nacht | 8 Schwachlaststunden, meist 22–6 Uhr | Mindestens 5 zusammenhängende Stunden (oft 23–7 Uhr) |
| Tagsüber | Keine | 2 bis 3 Schwachlaststunden zwischen 11 und 17 Uhr |
| Saisonalität | Keine | Ja: Sommerfenster (1. April – 31. Oktober) unterscheiden sich vom Winter |
| Ausgesparte Zeitfenster | — | 7–11 Uhr und 17–23 Uhr (Verbrauchsspitzen) |
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Die Umstellung erfolgt schrittweise und zieht sich bis Ende 2027 hin. Rund 1,7 Millionen Kunden waren bereits ab November 2025 betroffen; weitere 9,3 Millionen Haushalte wechseln ab dem zweiten Halbjahr 2026. Ihr Versorger muss Sie mindestens einen Monat vorher informieren, bevor sich Ihre Zeitfenster ändern. Ändern Sie Ihre Gewohnheiten nicht, solange Sie diese Benachrichtigung nicht erhalten haben: Bis dahin gelten Ihre bisherigen Schwachlastzeiten weiter.
Was das für Ihre Klimaanlage bedeutet
Hier wird die Reform interessant. Eine reversible Klimaanlage – technisch gesehen eine Luft-Luft-Wärmepumpe – verbraucht Strom vor allem … am Nachmittag, wenn die Hitze ihren Höhepunkt erreicht. Bislang wurden diese Stunden zum vollen Hochtarif abgerechnet. Künftig fällt ein Teil davon in die Schwachlastzeit.
Drei Anwendungen profitieren unmittelbar:
- Vorkühlen. Statt die Klimaanlage um 18 Uhr einzuschalten, wenn Sie in eine überhitzte Wohnung kommen, lassen Sie sie zwischen 11 und 17 Uhr laufen – zum reduzierten Tarif –, um die Temperatur zu halten. Eine Wohnung, die sich gar nicht erst aufheizt, kostet immer weniger als eine, die abends im Eiltempo heruntergekühlt werden muss.
- Die Trägheit des Gebäudes. Wände, Böden und Zwischenwände speichern Kühle. Moderates Kühlen während der nachmittäglichen Schwachlaststunden „lädt" diese Trägheit auf; am frühen Abend, wenn der Tarif wieder auf Hochtarif springt, können Sie dann zurückfahren.
- Solarer Eigenverbrauch. Wenn Sie Photovoltaikmodule haben, fallen die neuen Schwachlastzeiten mit Ihrer Produktionsspitze zusammen. Beide Logiken verstärken einander.

Drei Gewohnheiten, um davon zu profitieren
1. Prüfen Sie Ihre tatsächlichen Zeitfenster. Ihre Schwachlastzeiten stehen auf Ihrer Rechnung und in Ihrem Kundenkonto. Sie unterscheiden sich von Viertel zu Viertel: Es gibt keinen landesweit einheitlichen Zeitplan. Verlassen Sie sich nicht auf „typische" Zeiten, die Sie anderswo gelesen haben.
2. Programmieren statt improvisieren. Nahezu alle neueren reversiblen Klimageräte verfügen über eine Zeitsteuerung, häufig per App bedienbar. Genau dieses Werkzeug macht aus der Reform echte Einsparungen. Stellen Sie den Start auf Ihre neuen Schwachlastfenster ein, statt jedes Mal spontan zur Fernbedienung zu greifen.
3. Zielen Sie auf die richtige Temperatur. Keine Tarifoptimierung gleicht ein falsch eingestelltes Thermostat aus. Empfohlen bleibt eine Differenz von 5 bis 7 °C zur Außentemperatur, und jedes eingesparte Grad entspricht rund 7 % weniger Verbrauch. Diese Einstellungen erläutern wir ausführlich in unserem Ratgeber dazu, wie Sie Ihre Klimaanlage bei Hitzewellen einstellen.
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Vorsicht vor dem Bumerangeffekt: Schwachlastzeiten am Tag sind keine Einladung, mehr zu klimatisieren. Die Ersparnis entsteht durch das Verschieben des Verbrauchs, nicht durch dessen Erhöhung. Bevor Sie das Gerät einschalten, denken Sie an passive Maßnahmen – geschlossene Rollläden in den heißen Stunden, nächtliches Lüften und eine korrekt gewartete Lüftungsanlage –, die die Überhitzung senken, ohne eine einzige Kilowattstunde zu verbrauchen.
Ohne gewartete Anlage geht gar nichts
Den Tarif eines verschmutzten Geräts zu optimieren, ist wie über den Spritpreis zu verhandeln, während man mit einem verstellten Motor fährt. Ein Klimagerät mit verstopften Filtern oder falscher Kältemittelfüllung kann bis zu 30 % seiner Effizienz einbüßen: Sie bezahlen dann mehr Stunden – ob Schwachlast oder nicht – für dasselbe Ergebnis.
Das gilt umso mehr, als die Wartung dieser Anlagen gesetzlich geregelt ist, mit einer verpflichtenden regelmäßigen Inspektion oberhalb bestimmter Leistungsschwellen. Eine jährliche Wartung bleibt der wirksamste Sparhebel überhaupt – deutlich vor jeder Tarifoptimierung. Die realen Kosten schlüsseln wir in unserem Artikel zum Preis einer Klimaanlagenwartung 2026 auf.
Und wenn Sie über eine neue Anlage nachdenken: Die nachmittäglichen Schwachlastzeiten sprechen zusätzlich für programmierbare, vernetzte Modelle. Unser Ratgeber, wie Sie 2026 die richtige Klimaanlage wählen, geht die entscheidenden Kriterien durch, und die ermäßigte Mehrwertsteuer auf reversible Klimaanlagen kann die Installationsrechnung spürbar senken.
Häufige Fragen
Gelten die neuen Schwachlastzeiten für alle? Nein, nur für Kunden mit dem Tarifmodell Hochtarif / Niedertarif – rund 14,5 Millionen Haushalte. Wer den Basistarif (option Base) hat, verfügt über keine Zeitfenster; für ihn ändert sich nichts.
Verliere ich meine nächtlichen Schwachlastzeiten? Nein. Der neue Zeitplan garantiert mindestens 5 zusammenhängende Schwachlaststunden in der Nacht. Nur 2 bis 3 Stunden wandern in den Nachmittag – und das ausschließlich im Sommerzeitraum (1. April bis 31. Oktober).
Muss ich selbst etwas veranlassen? Nichts. Die Umstellung erfolgt automatisch, und Ihr Versorger informiert Sie mindestens einen Monat im Voraus. Wenn Ihre Klimaanlage oder Ihr Warmwasserspeicher über ein am Zähler angeschlossenes Tag/Nacht-Schütz gesteuert wird, erfolgt die Umschaltung von selbst.
Wird meine Klimaanlage wirklich günstiger? Sie wird bei gleicher Nutzung günstiger, sofern Sie ihren Betrieb in die neuen Schwachlastfenster verlagern. Ohne Neuprogrammierung werden Sie keinen Unterschied bemerken: Erst die Zeitsteuerung erzeugt die Ersparnis.
Und im Winter, bei einer Wärmepumpe? Im Winter bleiben die Schwachlastzeiten überwiegend nachts. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe profitiert also weiterhin vom klassischen Schema, ohne nennenswerte Änderung. Den größeren regulatorischen Rahmen beschreiben wir in unserem Artikel zum Elektrifizierungsplan 2026.
Betrifft das auch Gewerberäume? Ja, dieselbe Tariflogik gilt dort ebenfalls – und die finanziellen Auswirkungen sind oft deutlich größer. Siehe dazu unseren Artikel über die Klimatisierung von Büros und Gewerberäumen.
Machen Sie Ihre Anlage zu einem echten Sparhebel
Neue Schwachlastzeiten, Zeitsteuerung, Einstellungen, Wartung: Jeder dieser Hebel bringt einige Prozent. Zusammen verändern sie den Betrag Ihrer Sommerrechnung deutlich.
Unsere Techniker prüfen Zustand und Einstellungen Ihrer Anlage und helfen Ihnen, Ihre neuen Zeitfenster optimal zu nutzen. Entdecken Sie unsere Klimaanlagenwartung für Privatkunden, unsere Installationsleistungen, oder kontaktieren Sie Proclimo für eine Diagnose und ein klares Angebot.
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